Nun ist es leider soweit: Pro 7 hat die allerletzte Folge ausgestahlt. Aus und vorbei. Ende? Von diversen Bonusmaterial etc. mal abgesehen - leider ja. Viele sind unzufrieden mit dem Ende - und Viele sind schlichtweg traurig dass es nun vorbei ist. Mir geht es nicht anders.
Aber was eigentlich bedeutet(e) euch Queer as folk?
Warum und wie seid ihr „kleben" geblieben? Warum habt ihr immer wieder weiter geschaut? Warum liebt ihr die Serie so? Und warum habt ihr euch dann sogar in dieses Forum verirrt? Hat das alles, und wenn ja wie, euch irgendwie beeinflusst oder verändert?
Ich bin mir sicher, dass da Viele sich Gedanken darum machen - in der Besprechung zur Finalfolge klingt da ja schon vieles durch. Und ich bin einfach neugierig auf eure Gedanken. Da dazu in 5.13 nicht so recht der Platz dazu zu sein scheint (OT?) , hab ich mal hier ein neues Thema eröffnet. Und lege gleich mal los....
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Ich schaue QAF seit 1.01 bei Pro 7. Es war sozusagen „Pflichtprogramm" für mich, da ich fast generell alles anschaue, was so Interessanntes an schwul-lesbischer Thematik im TV kommt; schon mal so aus eigenem Interesse.... Ausserdem hatte die Siegessäule dick Reklame gemacht und ein bisschen mal davon gehört / gelesen hatte ich vorher schon. Also: wenigstens mal reingucken..... und gleich die allererste Folge hatte ich zum Glück aufgenommen. Denn gleich da hatte es mich voll erwischt: und ich weiss eigentlich gar nicht so genau, warum eigentlich? Es ist da einfach schon sooo viel passiert, dass ich total neugierig war, wie es denn weitergehen würde. Ausserdem war die Sendung lustig, die Charaktere zwar für mich noch nicht so sehr unterscheidbar (damals... :laugh), aber das alles versprach spannend zu werden. So spannend, dass ich schon hibbelig auf die zweite Folge wartete und im Internet rumstöberte - und dieses Forum hier fand. Das bestand damals fast nur aus Leuten, die die US-DVD´s schon gesehen hatten. Ich habe gleich kreuz und quer gelesen, hab mich total verspoilern lassen und war daraufhin erst recht „angefixt". Ich konnte mir kaum vorstellen, dass all das, was ich im Forum gelesen hatte, innerhalb dieser Serie noch passieren sollte... und „wartete" dann quasi über zwei Jahre immer auf die entsprechenden Ereignisse.
In der Zwischenzeit wuchsen mir die Charaktere immer mehr richtig ans Herz - manche mehr und manche auch mal weniger. So viel Herz / Schmerz / Höhen / Tiefen... alles hab ich im Laufe der fünf Staffeln miterlebt. OK - es ist „nur" eine Serie - aber ein bisschen wirkten sie nach einer Weile auch wie Freunde, denen man bei ihrem Leben ein bisschen zuschauen darf. Sie erlaubten mir, sie ein bisschen in ihrem Leben zu begleiten. (Ich hab auch mal irgendeinen anderen Film mit Randy gesehen und Peter Page mal bei Will & Grace, was natürlich diese Illusion völlig zerstört .... 8) :laugh
Aber egal wie: QAF durfte auf keinen Fall mehr verpasst werden! Und musste unbedingt live spät in der Nacht geschaut werden! Parallel hab ich alle Folgen aufgenommen und ab Mitte der zweiten Staffel sogar einen DVB-T-Tuner angeschafft, so dass ich dann alle Folgen auf DVD brennen konnte. Was tut frau nicht alles :dance Ich hab immer versucht, mich irgendwie wach zu halten - egal wie früh ich raus musste. Und manchmal hab ich alles programmiert und mir den Wecker gestellt. Zum Glück - nur ein einziges mal hab ich den Anfang einer Folge live verpasst.
Das andere Wichtige war: hier in diesem Forum zu lesen. Über die einzelnen Folgen - ich war immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich man doch die einzelnen Folgen sehen kann. Vieles ist mir erst durch irgendeine Bemerkung hier aufgefallen; und sehr oft hab ich noch mal meine Sichtweise überdacht, weil anderes mir dann viel logischer erschien. Das Forum war zur Analyse der Serie auf jeden Fall enorm wichtig. Ab und zu hab ich hier auch was geschrieben - aber ich bin leider zu unstet und „undiszipliniert", um selber immer mitzumischen. Aber wenn, dann gibt´s / gab´s durchaus mal Romanlänge
Nun ist QAF vorbei. Endgültig wohl. Ich hab die ganze letzte Folge schon mit einer ganz merkwürdigen Stimmung angeschaut - so als erlebte ich die letzten Minuten einer ganz besonderen Zeit. Da ich ja total verspoilert war, konnte ich mich wenigstens auf die Handlung konzentrieren. Die Folge an sich ist ja - wie auch schon leicht die letzte - sehr mit Zitaten (inhaltlich/wörtlich wie bildlich) und stilistisch auf die allererste Folge bezogen, so dass für mich schon mit der ersten Szene der letzten Folge klar war, dass sich mit dieser der Kreis zu 1.01 schliesst und QAF als Serie an sich beendet werden wird. Es ist vielleicht ein blöder Vergleich, aber: eine Beerdigung beginnt auch nicht erst wenn ein Sarg in die Erde versenkt wird; es gibt bis dahin quasi eine Entwicklung, bei der sich die Trauer langsam aufbaut, obwohl man genau weiss wie es unweigerlich enden wird. Und 5.13 war für mich quasi wie eine Beerdigung. Nicht so eine Beerdigung einer liebgewordenen US-TV Serie, sondern mehr ein Abschied von den ungewöhlich liebgewonnen Charakteren. Egal wie auch immer - sie werden ihren Weg jetzt alleine weitergehen müssen - ohne mich. Ich werde ihnen dabei nicht mehr zuschauen können. Ich bin - nachdem ich die letzte Folge eine Weile hab sacken lassen - inzwischen einfach nur dankbar dafür, dass sie mich eine Weile an ihrem Leben haben teilhaben lassen. Etwas ganz Besonderes ist da zuende gegangen - aber so wie das Ende gestaltet ist (mit den ganzen Bezügen zu 1.01) ist mir klar, dass ich nur einen Ausschnitt aus ihrem Leben gesehen habe; ich konnte erleben wie sie - meistens - einfach „erwachsener" geworden sind. Und nun werden sie weiter „wachsen". Ein totales Happy End hätte meiner Meinung nach eben dieses Zukunftsweisende der letzten Folge zerstört; so bleibt nun einfach viel Raum für weitere Entwicklungen. Und diese müssen ja nicht so negativ sein, wie Viele es sich ausmalen - ich denk da jedenfalls einfach Positiv (aber das ist jetzt ja OT )
Insgesamt haben es Cowlip einfach geschafft, die Charaktere so vielschichtig und schlüssig anzulegen und die Verwicklungen des Lebens wie auch zwischen den Figuren so spannend und - in idealistischer Form sogar lebensnah - zu gestalten, wie ich es in noch keiner anderen Serie erlebt habe. :klatsch Für mich wurde bei QAF eine Emotinalität erzeugt, die ich bei anderen Serien noch nie erlebt habe. Eigentlich war es eher wie ein serienlanger Spielfilm...
OK - Was hat sich bei mir sonst durch QAF verändert? Hmmm - ich hab lange überlegt. Toleranz / Akzeptanz gegenüber Homosexualität etc pp... das war´s nicht - das war ich schon vorher. Ich glaube, mir sind Männer allgemein und Schwule insbesondere wieder mehr ins Blickfeld geraten. So rund 20 Jahre nach meinem Coming Out hab ich einfach Männer nicht mehr so richtig in meinem Umfeld wahrgenommen; ich weiss nicht wie ich es sagen soll, aber: ich hab sie manchmal ein bisschen wie Schatten wahrgenommen, die durch´s Bild huschen - ich achte einfach instinktiv mehr auf Frauen und nehme Männer eher so oberflächlicher war. Ich weiss nicht ob es manchen Schwulen, die sich jahrelang in schwulem Umfeld bewegen, vielleicht ähnlich geht: man verliert einfach den Blick für die „anderen". Und durch QAF hab ich wieder einen besseren und differenzierteren Blick auf Männer bekommen - nicht mehr so oberflächlich. Vor allem auch Schwule fallen mir wieder mehr auf (nicht nur, wenns unübersehbar ist :tuffig).:laugh Nee, im Ernst. Männer an sich sind wieder mehr in meinem Blickfeld - und das mit einer viel größeren emotionalen Bandbreite als vorher. Und das ist einfach - gut so. Also ein bisschen Horizonterweiterung auch für mich.
Ansonsten hoffe ich, dass generell schwul-lesbische Thematik mehr ins TV kommt. Wohin denn sonst, wenn nicht da? (und nicht abgesetzt oder nicht weitergesendet wird..... wie Will&Grace, LWord Staffel2, Ellen......usw usf.... :motz :motz) Zur Not so lange und nicht als Nischenfernsehen in die späte Nacht verbannt, bis es auch im hintersten Kaff nicht mehr zu übersehen ist. Auch wenn es nur kleine Schritte sind, aber UMDENKEN ist immer möglich und nötig. Auswandern wie Mel und Linds möchte ich jedenfalls nicht müssen... aber das ist ja jetzt wieder OT.
So - jetzt aber genug für heute.
Tschüssi und vielen Dank für´s lesen.