Dass er von den Tricks abhängig ist, glaube ich aber nicht. Vorsicht, jetzt kommt eine größere Portion Küchenpsychologie: mir kommt es so vor, dass Brian (aufgrund kindlicher Traumata mit seinen "vorbildhaften" Eltern) eine fast schon pathologische Trennung von Sex und Liebe vornimmt. Alle, die er liebt (und denen er es auch sagt), haben keinen Sex mit ihm: Michael, Lindz, Gus. Alle, die Sex mit ihm haben, will er auf keinen Fall lieben. Bei One-Night-Stands klappt das auch gut, doch da kam eines Tages Kleinjustin daher und stört dieses schöne System. So, wie's ausschaut, wird diese Serie am Ende der 5. Staffel darin kulminieren, dass Brian endlich geheilt ist und Sex und Liebe nicht mehr als Gegensätze empfindet, die nur ein böses Hetenuniversum zusammengezwungen hat, mit welchem Partner auch immer (bitte nicht spoilern, wenn ich falsch liege, ich will's nicht vorher wissen). Brian und Justin können also bei Serienhalbzeit noch nicht glücklich vereint sein, sonst wär es nur noch langweilig. Und schließlich hat Brian noch keinerlei Grund anzunehmen, dass seine Lebensweise falsch ist. Im Gegenteil, gerade hat er auch Justin von allen romantischen Vorstellungen befreit und bekehrt. Was, um Himmelswillen, sollte er denn ändern? Sein Mißtrauen in Beziehungen ist ja nicht gerade dadurch zerstreut worden, dass gerade wieder eine vor seinen Augen kaputt gegangen ist. Ich glaube noch immer, dass es irgendeinen saftigen Schicksalsschlag braucht, um dieses Korsett, in dem seine Gefühle weiterhin eingeschnürt sind, aufzubrechen. Solange sich Brian Kinney unverletzbar und großartig fühlen darf, wird sich nicht viel ändern. Er muss das Superheldenkostüm ablegen, um seine Seele zeigen zu können. Ich warte daher immer noch auf den Kryptoniten, der hier mal was durcheinanderwirbelt. Immer dann, wenn es solche Augenblicke gab (Teds Koma, der Angriff auf Justin, der Tod seine Vaters, vielleicht auch der Verlust von Lindz an eine Scheinehe...), hat Brian sich geöffnet. Ich glaube, es braucht hier mal den richtig großen Knall...
Klasse Beitrag! Ich stimme Dir in fast allem zu, ich sehe es nur nicht unbedingt als Widerspruch zu der These an , dass er Gefangener (od. eben Abhängiger) seiner Gewohnheiten (incl. Tricks) ist. Er
braucht diese, um die Welt, so wie er sie sich gezimmert hat und Du beschrieben hast, beibehalten zu können. Was man -aus meiner Sicht- durchaus als selbstzerstörerisches Verhalten bezeichnen kann. Bezogen auf die 11-Uhr-Trick-Szene meine ich damit, dass das Zusammensein mit Justin ihn offensichtlich glücklich macht, während er auf mich fast etwas "gequält" wirkt, als er dann hinter dem fremden Kerl die Stufen zum Schlafzimmer/Bad hochschleicht. Das ist zwar sicher nicht in allen "Trick-Szenen" so , aber hier war es eben weder "Painmanagement", noch Lust, sondern sah fast wie Zwang (selbst auferlegt) aus.
Justin hat eigentlich längst sein Herz erreicht, er ist der Erste und Einzige, mit dem auch Brian erlebt, dass sich Sex und Gefühl miteinander verbinden lassen, Brian kann/will sich das nur nicht richtig eingestehen, da es nicht in sein "I don't believe in Love"- Weltbild passt. Die Ursache dieses "Weltbildes" ist mit Sicherheit in seiner Kindheit zu finden, wie Du auch gemeint hast.
Zu deinen weiteren "Vermutungen" schreibe ich nichts, bin aber jetzt schon sehr gespannt auf die Kommentare und Diskussionen hier - bes. zum Serienfinale....