3.11 ist für mich eine der besten Folgen der Staffel und es passiert so viel auf einmal, das man kaum zum Luftholen kommt. Aber es lohnt sich, über jeden Aspekt der Geschehnisse unserer Freunde mal gründlich nachzudenken.
Tja, nun hat es Jim Stockwell also geschafft: unsere Helden müssen zu Hause poppen wie jede normale Hete auch. Herrje, das ist aber auch schlimm. Falls mir jemals ein Eisenbahnwaggon auf Halde mit dem Namen „Powertool“ auffallen sollte, muss ich unbedingt mal reingucken.
Ist Justin tatsächlich hinterher aufgesprungen, hat seine Sachen geschnappt und ist gegangen? Und er beschwert sich, dass Brian unromantisch ist!
Egal. Es ist zehn Minuten vor Ultimo und die Wahlkämpfer halten ihren letzten Kriegsrat. Aber anstatt Hände zu küssen und Babys zu schütteln, erhält Jim im GLC die Abreibung seines Lebens. Hat Brian nun davon gewusst, oder nicht? So, wie er geguckt hat, war ihm das zuerst suspekt, dann war er besorgt. Seine besorgten Blicke galten aber nicht Jim sondern Justin. Die Idee war genial. Mir läuft jedes Mal ein Schauer über den Rücken wenn die Schilder hochgehalten werden, vor allem bei Jason Kemp, a.k.a. Dumpster Boy (wie wurde das übersetzt?). Jim schnappen zu sehen, wie ein Fisch auf dem Trockenen, hatte schon was. Als er Justins Gesicht endlich einordnen kann, muss in ihm auch der Verdacht gewachsen sein, dass Brian vielleicht was mit diesem Desaster zu tun haben könnte. Und zwar aus genau dem Grund, den er Gardner Vance entgegenschleudert: Brian ist eine Schwuchtel. Und da Schwuchteln immer zusammenhalten gegen die böse, heterosexuelle Welt, konnte ihn Gardner auch nicht vom Gegenteil überzeugen.
Ich fand den Zusammenschnitt aus den Geschehnissen bei Vanguard und dem Loft wirklich toll. Leider ist ja wohl Justins letztes Meisterwerk nicht mehr zum Einsatz gekommen. Brian fließt fast über vor Stolz auf seinen clever devil und schreitet zur Belohnung =) (Hatte sich hier nicht jemand beschwert, dass wir „nur“ blowjobs zu sehen bekämen?)
Es war ja löblich, dass Gardner hinter Brian stand und sich nicht vorstellen konnte, dass Brian zu einem Kunden illoyal wäre, aber warum musste er es Jim stante pede beweisen, indem er das Loft besuchen kam? Und warum macht Brian immer die Tür auf? In dieser Situation hätte eine Bombe neben mir einschlagen können... Nun gut. Die Situation war mehr als peinlich für alle Beteiligten und ich bin mir sicher, Brian, dass Jim noch nie in seinem Leben zwei Typen ficken gesehen hat. Aber das schien ihn ja weniger zu kümmern, als die neuen Poster, die überall verstreut lagen.
Brian muss gewusst haben, dass das sein Ende bei Vanguard bedeutete, oder nicht? Trotzdem machte er erst mal auf treudoof bei Gardner, aber der hatte gar keine andere Wahl. Loyalität dem Klienten gegenüber ist erstes Gebot und das hat Brian unterminiert, was uns gleich zu einer meiner Lieblingsszenen der ganzen Staffel bringt: Debbie kommt mit ihrem Auflauf an, das erste Heilmittel einer Mutter, um ihren traurigen Sohn zu trösten.
Brian wurde von der Sicherheit aus Vanguard rauseskortiert? Mann, da muss er ja ziemlich Terror gemacht haben. Schade, dass wir nicht dabei waren. Hat nun der Joint Debbie veranlasst, ihre Wäsche zu vergessen, oder die Erkenntnis, dass Brian nun ohne Job da steht? Brian ohne Arbeit, das ist so wie Woodstock ohne Joints und Koks. Sie weiß, das Brian und Justin Mist gebaut haben, gleichzeitig war sie aber noch nie so stolz auf ihren Ziehsohn wie jetzt. Weil er mal das Richtige gemacht hat? Eigentlich hat er doch gar nichts gemacht, sondern Justin.
Ich mochte ihren Vergleich mit Plato und Sokrates, und ihrer Erkenntnis, dass jeder mit einem angeborenen Rechtsempfinden zur Welt kommt. Und sie geht sogar einen Schritt weiter: Sie glaubt an Brians angeborene Gutheit. Brian lacht sie aus. Debbie appelliert hier an Brians Gefühl und an sein Herz, auch mal fünf grade sein zu lassen und nicht immer nur seinem Gehirn zu folgen obwohl es ja wohl immer sein Gehirn gewesen ist, dass ihn jedes Mal vom Abgrund wegzog in die Sicherheit der Rationalität. Also geht es wohl darum, die gute Mischung zwischen Gehirn und Gefühl zu finden und nicht von einem Extrem ins andere zu fallen.
Brian ist nun frei, alles zu tun. Er braucht auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen. Und was ist seine erste Amtshandlung? Er holt den Vorschlaghammer und öffnet Babylons Darkroom, verkündet lauthals seine Wiedereröffnung, drückt einen leidenschaftlichen Kuss auf Justins Lippen und lässt ihm den Vortritt. Gib dem Bildschirm zwei schwarze Sekunden und wir sehen die öffentliche Demonstration von Zuneigung und Geilheit. Wenn Brian noch einmal behauptet, dass er keine Beziehung hat, gibt’s was mit dem Hammer.
@Temptation
Über eines wundere ich mich immer wieder: warum ist das Babylon vor Mitternacht so brechend voll? Mit Erwachsenen.
Hättest du Kinder lieber? Ich verstehe deine Frage nicht.
Parallel dazu läuft Teddys Abstieg in die Hölle. Ted interessieren weder Hitler/Clownsposter noch die Bürgermeisterwahl an sich. Alles, was Ted interessiert, ist sein Selbstmitleid und das Lamento einer verpfuschten Zukunft. Mel, Linds und Emmett in ihren Bemühungen, Teddy wieder aufzurichten, zuzusehen, tut irgendwie weh, weil gar keine Resonanz kommt. Wie auch. Ted ist das peinlich, er schämt sich, Em auf der Tasche zu liegen und kann kaum jemandem in die Augen sehen. Ihr abgekartetes Spiel durchschaut er fast sofort und fühlt sich darin auch wieder erniedrigt, die Brosamen, die vom Tisch Marcus/Peterson fallen, aufzupicken und ihn beschäftigt halten, damit er seinen Tag nicht im Bademantel auf dem Bett verbringt. Und justament kommt die teuflische Verführung in Gestalt Dr. Crystals daher mit seinen zugekifften Genossen. Dr. Mark verspricht Spaß, Vergessenheit, Ausstieg aus der Tristesse. Warum also nicht?
Ich hab mal eine Frag zu dem Pfeifchen, dass sich Ted warm macht. Ich kenne das nur unter Crack-Pfeife. Crack ist ja mal hundert Mal schlimmer als Crystal. Laut Wikipedia bewirkt Crack Charakterveränderungen sowie körperliches Zittern und Zucken, was alles zu Ted passt. Hohes Abhängigkeitspotential kommt hinzu und eine Wirkung, die schon nach wenigen Sekunden einsetzt, aber nur kurze Zeit anhält. Was konsumiert Ted nun: Crack oder Crystal?
Dr. Mark bringt Ted also auf die teuflische Idee, doch auch mal so richtig Spaß zu haben am weißen Strand von Palm Springs. Ich bin mir sicher, dass der Name White Party nicht nur von der weißen Kleidung und dem weißen Strand herrührt. Und als Mark das Geld erwähnt, das Ted doch sicher locker machen könnte, wissen wir, was uns blüht.
Dass er ohne ein Wort an Em einfach abgehauen ist, zeigt uns, wie tief Ted schon in seiner Abhängigkeit gefangen ist. Und ich meine nicht das Verlangen nach Drogen, sondern ihre Wirkung auf sein Selbstbewusstsein. Hier ist er schön. Hier ist er begehrt. Hier ist er sorglos. Und so soll es bleiben. Scheiß auf Emmett, scheiß auf Gus’ Schulgeld, und scheiß auf das piefige Pittsburgh mitsamt seinen piefigen Einwohnern.
Peter Page war genial, als die Mädels ihn im Diner treffen und wissen wollen, wo Ted und das Geld abgeblieben sind. Er hat Emmetts Konfusion auf den Punkt gebracht. Der arme Kerl stand total neben sich und die Mädels haben wohl die Nachtijall trapsen jehört. Den Knock-out bekommt Em von Dr. Marks bekifften Drogenkumpel. Und spätestens dann weiß auch Em, wo Gus’ Collegefunds abgeblieben ist.
Plot Nummer 3: Hunter. Die Stricher scheint es wegen der Kälte alle ins Diner getrieben zu haben. Aber einige sind noch auf der Strasse, so wie Hunter. Obwohl Ben ein Sprachtalent ist, knallt er Hunter ohne Erbarmen vor den Latz, dass er positiv ist. Wie wenig ihn das bis jetzt gejuckt hat, sieht man daran, dass Hunter HIV+ nicht von Aids unterscheiden kann. Traurig. So traurig wie seine Kunden, die das Risiko eingehen mit einem positiven Stricher ungeschützten Sex zu haben. Aber Ben lässt das ganze keine Ruhe. Er kommt mit Kondomen, Daunenjacke und Taschentuch, um Hunter zu retten. Wenn man einen Menschen rettet, rettet man die ganze Welt. Oder so ähnlich. Ben kann nicht die Szene retten, aber er kennt Hunter, und bei ihm kann er’s versuchen. Hunter schnallt erst, dass er einen wohlwollenden Mann vor sich hat, als Ben zugibt, dieselbe Krankheit mit ihm zu teilen. Er akzeptiert die Miso-Suppe, und das Bett für die Nacht. Erst als Michael dazukommt, gibt er ihm laut schlürfend zu verstehen, was er von Michael hält. Michael muss erst noch beweisen, dass auch er es gut meint, und nicht des Nachts in seinem Bett über hin herfallen wird.
Hunters Welt ist klein. So klein, dass die Androhung von Schulbesuchen und Gesundheitsdrinks ihn wieder hinaus auf die Strasse treiben. Haben Ben und Mike wirklich gedacht, dass Hunter eine Schule besucht?? Jedenfalls scheint Michael sich über Nacht beruhigt zu haben, was Hunter wohl veranlasst hat, doch wieder sein warmes Plätzchen im Hause Novotny/Bruckner aufzusuchen. Wenn auch eine halbe Minute vor Mitternacht... =)